Ich atme mein Leben lang – also kann ich’s, oder?

Ich würde von mir nicht behaupten, in der Formel 1 fahren zu können – und das, obwohl ich regelmäßig Auto fahre.

Die meisten meiner Patienten antworten, wenn ich sie salopp frage, wie ihre Atmung ist, in der Regel sinngemäß:
„Ja, passt. Sonst wäre ich nicht hier.“

Erwischt.
Die Frage sollte anders lauten.

Können Sie in Ihren Bauch atmen? Und zwar so, dass sich der Bauch sanft hebt, wenn Sie einatmen, und sich wieder senkt, wenn Sie ausatmen.
Klappt?
Sehr gut.

Können Sie nun in den Brustkorb atmen?
Das heißt: Hand auf das Brustbein und nun so einatmen, dass sich Ihre Brust hebt und sich beim Ausatmen wieder absenkt.
Auch das funktioniert?
Wunderbar.

Sind Sie jetzt in der Lage, diese Atmungen auch in verschiedenen Positionen durchzuführen – also im Liegen (einfach), Sitzen (mittel) und Stehen (schwer)?

Aber warum soll es überhaupt relevant sein, wohin und wie ich atme?
Die Atmung ist die einzige Funktion (nach meinem jetzigen Wissensstand), die sowohl bewusst als auch unbewusst stattfinden kann. Sobald Sie darüber lesen oder sich Gedanken machen, werden Sie sie höchstwahrscheinlich beeinflussen. Nach kurzer Zeit allerdings vergessen Sie Ihre Atmung wieder, und sie läuft ganz von alleine ab.

Die Atmung kann also ein Spiegel Ihres derzeitigen Zustandes sein.
Stellen Sie sich vor, Sie müssen noch schnell zu einem Termin und hetzen sich ab. Wie wird Ihre Atmung dann wohl sein?

Gegenbeispiel:
Sie befinden sich an einem schönen Ort Ihrer Wahl – am Strand am Meer, in der Stille des Waldes, bei einem schönen Ausblick in den Bergen oder bei einer Person, bei der Sie sich geborgen fühlen. Wie werden Sie hier atmen?

Die sanfte, leichte und weite Bauchatmung wird oft als entspannte Ruheatmung bezeichnet, wohingegen die Brustatmung eher als „Stressatmung“ gilt.
Wenn Sie joggen oder im Stress sind, völlig nachvollziehbar.

Aber was passiert, wenn Sie nach einem langen Tag abends auf der Couch sitzen oder sich entspannen und trotzdem noch so atmen, als wären Sie auf der Flucht?
Da die Atmung die meiste Zeit unbewusst geschieht, läuft sie  nebenher.

Was nehmen Sie wahr, wenn Sie tagsüber Ihre Atmung beobachten?
Wo führt Sie Ihr Atem hin? Können Sie Richtung Bauch atmen?

Falls Sie das Gefühl haben, nicht richtig durchatmen zu können, kann eine osteopathische Behandlung eine Option sein. Mit sanften oder auch festen Techniken können Verspannungen rund um die Atmung gelöst werden.
So kann zum Beispiel ein Sturz vor längerer Zeit zu einer Rippenblockade geführt haben, die nun Ihre Atmung beeinträchtigt. Oder ein antrainiertes Atemmuster führt dazu, dass Sie überwiegend in die Brust atmen und ständig Nackenverspannungen spüren.

Sollten Sie weitere und tiefergehende Informationen wünschen, empfehle ich Ihnen dieses Buch, das auch für Laien einen guten Einstieg bietet.

james nestor breath

James Nestor – Breath

Disclaimer: Das Buch ist sehr amerikanisch geschrieben, d. h. Sie könnten das Gefühl haben, alles mit der Atmung reparieren zu können. Vielleicht geht es ja auch. Vielleicht auch nicht. 😉

Liebe Grüße und Frohes Atmen

Lukas Kuntz
Osteopathie ZustandMensch